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Artikel über Pädophilie: “Ich steh auf Sechsjährige”

Pädophilie ist eine psychische und Verhaltensstörung, die im ICD unter F65.4 codiert wird, unter Störungen der Sexualpräferenz. In der Charité gibt es ein Projekt, bei dem Sexualmediziner und Psychologen die Betroffenen dabei unterstützen, ihre Veranlagung nicht auszuleben. Die Zeit hat darüber aktuell einen interessanten Artikel veröffentlicht (2007 wurde schon einmal ein Artikel zum Projekt, 1995 ebenfalls ein Artikel zu Pädophilie veröffentlicht, der aufzeigt, wie die Betroffenen “ticken” und noch viel mehr). Aufgenommen werden allerdings nur Betroffene, die nicht straffällig geworden sind (bzw. ihre Straftat bereits abgesessen haben) – da Eigenmotivation für den Erfolg der Therapie entscheidend ist und bei Straftätern noch die Motivation, den Richter gnädig zu stimmen, mitspielen könnte.

“Die Ursachen der Pädophilie sind der Wissenschaft noch immer ein Rätsel. >> Wer erklären kann, wie die pädophile Neigung entsteht, der ist ein Kandidat für den Nobelpreis<< sagt Beier [Leiter des Instituts für Sexualmedizin der Charité].”

So setzen sich die Therapeuten dafür ein, dass Betroffene sich ihrem engsten Umfeld öffnen. Das stellt die Beziehung zwar auf die Probe, aber die soziale Kontrolle wird erhöht. Und das ist eine Grundregel, die die Betroffenen befolgen müssen: Nie ohne soziale Kontrolle mit einem Kind allein sein. Ziel der Behandlung ist ein verantwortungsvoller Umgang.

Umstritten ist dieses Projekt nicht, v.a. nachdem sich die Bundesregierung bereit ist, dass Projekt für drei Jahre weiter zu finanzieren. Norbert Denef, der eine Biographie über den eigenen Missbrauch schrieb, wandte sich an die Bundesregierung und fragt, warum das Geld den Tätern statt den Opfern zur Verfügung gestellt würde. Zu Recht räumt die Zeit ein, dass es sich bei dem Projekt nicht um Täter handelt, sondern Betroffene, die Straftaten vermeiden möchten. Man müsse zwischen Phantasie und Handlung unterscheiden: die Phantasie allein ist nicht strafbar. Klar definiertes Ziel in Berlin ist: Keine Übergriffe.

Problematisch hat sich in der Therapie z.B. eine verzerrte Wahrnehmung der Betroffenen erwiesen. Z. B. geht die Aussage, man stehe auf Zwölfjährige, damit einher, dass sich die Person aber von Körpern, die sechsjährigen Kindern entsprechen, angezogen fühlen. Ebenso wird deutlich, wie verschieden/verzerrt die Interpretation ist. Z.B. wird eine Szene vorgegeben, bei der sich ein Mädchen unter dem Rock kratzt. Die meisten Menschen würden interpretieren, dass es wohl gejuckt hätte. Betroffene interpretieren solche Situationen so, als sei das ein Mittel gewesen, um seine* Aufmerksamkeit zu erregen bzw. sexueller Erregung des Mädchens. Was die Betroffenen lernen müssen ist eine “realere” Interpretation … “solche Lebenslügen zu hinterfragen, sich der Realität zu stellen” (ich wette, das haben die Therapeuten so nicht gesagt, klingt sehr nach journalistischer Interpretation 😉 ). Das ist scheinbar eine sehr hohe Anforderung, denn fast die Hälfte resigniert und bricht die Behandlung ab.

Ergänzt werden kann die Therapie z.B. durch Medikamente, die das sexuelle Verlangen dämpfen.

Diejenigen, die die Therapie beenden, erleben zum einen selbst, dass sich etwas (im Umgang mit Kindern) verändert hat. Und auch die Auswertung von Fragebögen ergab, dass sich z.B. die kognitiven Verzerrungen deutlich verringerten. Weniger erfolgreich war die Therapie allerdings hinsichtlich der Messgröße “Einfühlungsvermögen in potenzielle Opfer”. Die Evaluation des Programms geht weiter, es muss sich noch an einer größeren Stichprobe bewähren.

*unter den 500 Betroffenen, die sich meldeten, waren nur 2 Frauen


One Response to “Artikel über Pädophilie: “Ich steh auf Sechsjährige””

  1. Chris Says:

    Sehr schwierig finde ich bei diesem Thema, dass es normalerweise nicht möglich ist, darüber zu reden, ohne dass irgendjemand Stammtischreflexartig irgendwelche abstrusen und nicht zweckdienlichen Strafen fordert.
    Ich verstehe, dass das Thema emotionalisiert, aber finde es eines erwachsenen Menschen nicht würdig irgendwelche Leibesstrafen o.ä. zu fordern.