Teilnahme an Stressbewältigungskursen = unmännlich?
Für die Arbeit lese ich gerade eine spannende Studie.
Im Gesundheitssektor kann nachgewiesen werden, dass nur eine Person pro 7 Teilnehmer ein Mann ist. Sieverding (1997) ist diesem Phänomen nachgegangen und konnte zeigen, dass der Prototyp des Teilnehmers an Stressmanagementkursen nahezu gegenteilig ist zu einem männlicen Prototyp – dem Marlboro-Mann. Die beiden Prototypen wurden anhand eines semantischen Differentials von den Studienteilnehmern auf folgenden Dimensionen eingestuft:
- unabhängig – abhängig
- sicher – unsicher
- angespannt – entspannt
- ängstlich – nicht ängstlich
- selbständig – hilflos
- schwach – stark
- gesund – krank
- weiblich – männlich
- cool – nicht cool
- souverän – nicht souverän
- erfolgreich – nicht erfolgreich
- zart – rauh
- gelassen – gestresst
Während die Vorstellung des Prototyps Marloboro-Mann eher als unabhängig, sicher, selbständig, gesund (ähem, hüstel), cool, souverän, erfolgreich und gelassen beschrieben wird, wurde der Stressbewältigungsteilnehmer eher als abhängig, unsicher, hilflos, krank, nicht cool, nicht souverän und gestresst eingeschätzt. Der Marlboro-Mann sei eher entspannt, nicht ängstlich, stark, männlich und rauh, der Teilnehmer angespannt, ängstlich, schwach, weiblich und zart.
Bild von wildan
Die Autorin konnte zeigen, dass je ähnlicher das Selbstkonzept der Männer zum Marlboro-Mann-Prototyp war, desto weniger waren sie motiviert, an einem Stressmanagement-Kurs teilzunehmen.
Sieverding, M. (1997). Die Bedeutung von Prototype-Matching für präventives Verhalten: Ist die Teilnahme an Streßbewältigungskursen “unmännlich”? Zeitschrift für Gesundheitspsychologie, V(4), 272-289.

November 6th, 2007 at 12:40 pm
Woah! Ich bin dann mal Kippen kaufen.