Möchtest Du mit mir ins Bett?
Wo wir gerade beim Thema Sex sind, möchte ich von einem Experiment berichten, dass sehr stabile Ergebnisse erzielte und es dennoch schwer hatte, überhaupt publiziert zu werden. Es stammt aus dem Buch “Das Buch der verrückten Experimente” von Reto Schneider.
Der Sozialpsychologe Russel Clark schickte 1978 im Rahmen eines Seminars zur Überprüfung der These, dass Frauen nur mit dem Finger schnipsen müssen und sie schon einen Mann haben, während es Männer deutlich schwerer haben. Er nahm an, dass die Partnerwahl zwischen den Geschlechtern aus biologischen Gründen unterschiedlich ausfällt. Dies nahm er an in einer Zeit des sozialen Umbruchs und der Gleichberechtigung von Frauen. Mit dieser These wäre er als Chauvinist bezeichnet worden.
Ablauf: 4 Männer und 5 Frauen laufen durch die Uni und geben an insgesamt 16 Männer und 16 Frauen ein unmoralisches Angebot ab “Du bist mir augefallen, ich finde Dich sehr hübsch, möchtest Du heute nacht mit mir ins Bett.” Alle Frauen lehnten ab (“Das muss ein Witz sein”/”Spinnst Du? Lass mich in Ruhe”). Von den Männern nahmen es 12 an (“Warum müssen wir bis heute abend warten”) und die 4, die es nicht annahmen, entschuldigten sich mit “Ich bin verheiratet/habe schon eine Freundin.”
Deutlicher Befund also, aber Clark erhielt nur Absagen, als er die Studie publizieren wollte. 1982 hieß es dann, die Befunde von 78 seien veraltet, das möge ja damals so gewesen sein, aber sicher nicht mehr heute. Clark wiederholte das Experiment, konnte die Ergebnisse replizieren. 1989 wurde die Studie dann publiziert. Dann tauchte die Vermutung auf, Angst vor Aids würde das Verhalten verändern, wieder ein Experiment, wieder die gleichen Befunde.
Schneider schließt seinen Bericht mit “Heute taucht die Studie “Geschlechterunterschiede in der Empfänglichkeit für sexuelle Angebot” immer wieder in den Medien auf (“Indirekter Beweis, dass Männer dumm sind”; “Männer = ekelig: der definitve Beweis”). Die BBC hat den Versuch in England für einen Dokumetarfilm mit versteckter Kamera wiederholt. Auch die englischen Männer waren ekelig.“ (Schneider, 2006, S. 253)
Sehr schön!
August 23rd, 2007 at 8:35 pm
Tja, was soll man dazu noch sagen…?
Außer vielleicht: Was sagt denn da der Ethikrat dazu? Die 12 Jungs freuen sich jeweils schon auf eine heiße Nacht und dann: “Nein, sorry, war nur ein psychologisches Experiment.” Nicht nett!
August 24th, 2007 at 6:47 am
Ja, das habe mich auch schon gefragt. Wobei das nicht beschrieben war … vielleicht haben es die Mädels ja durchgezogen
… Wobei, mehrere Männer an einem Tag war dann vielleicht doch zu viel
August 24th, 2007 at 12:06 pm
Ja, nu, wie die Studie zeigt, ist das mit die Frauen nicht so einfach, wenn also eine direkt auf einen zukommt und genau das fragt, was mann hören will, ist ein lautes und deutliches “Ja” fast schon Bedingung. Aber ich muss Arne zustimmen, moralisch ist das Experiment…naaaa…
Übringens hatte der Typ, der das Sozialverhalten der Bonobos (die Äffchen, wo Sex eine Hauptmethode der sozialen Interaktion ist) als erster einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht hat, auch Schwierigkeiten einen Verleger zu finden. Gebracht hat es dann schliesslich das “Geo”-Magazin.
August 24th, 2007 at 3:21 pm
Ich glaube auch das wurde schon untersucht, wie viele Männer pro Tag so “drin” sind. Sicher schwieriger Probandinnen zu finden,denn sie muss ja nehmen was “kommt”.