Erschreckend dünne Bretter
So betitelt die aktuelle Zeit (Nr. 33) einen Artikel von Matthias Kleiner (Präsident der DFG). Zum einen ist es eine Aufforderung an die Universitäten, das alleinige Promotionsrecht (das aktuell durch den Wunsch der FHs angekratzt wird) nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen, sondern als Auszeichnung und Qualitätssiegel. Dem stimme ich zu. Aber zu Beginn schreibt Herr Kleiner: “Zu vielen Doktorarbeiten mangelt es an Qualität.” und verweist auf die medizinische Dissertation, deren wissenschaftliche Tiefe “erschreckend dünne” sind. Das mag so stimmen, aber das als Beleg anzusehen, finde ich zu schwach. Denn letztlich ist nirgendwo definiert, was eigentlich eine gute Promotion ausmacht – und somit hat man auch keinerlei Datenbasis, aufgrund derer diese Aussage gerechtfertigt ist.
Herr Kleiner verweist auf die von der DFG geförderten Forschungsprogramme, die einen Versuch darstellen, Qualität zu sichern. Ihnen sind wissenschaftliche Qualität auf internationalem Niveau und Interdisziplinarität ein Kriterium. Auch das ist sicher richtig, aber eben nicht nur. Wie zur Hölle soll z.B. jemand, der über deutsches Recht promoviert, international agieren. Die rechtswissenschaftliche Sprache lässt sich bspw. nicht eins zu eins ins amerikanische übernehmen usw. Es ist gut, dass diese Diskussion ins Rollen kommt, aber einfache Lösungen gibt es hier nicht.
Was auch noch angesprochen wird – und das finde ich löblich – ist die mangelhafte Betreuung. In diesem Bereich herrscht doch eine deutliche Unzufriedenheit. Dem Forschungsfeld haben wir uns im ZQ jetzt mal angenommen, viel gibt es nicht. Erst seit ein paar Jahren gibt es ausführliche Doktorandenstudien – die aber v.a. deskriptiver Art sind. Oft fehlt der wissenschaftliche Hintergrund. In Australien gibt es dagegen eine sehr ausführliche Forschung zu dieser Zielgruppe, seit Jahren. Herr Kleiner verweist darauf, dass es nicht zuträglich ist, wenn man als Doktorand den Betreuer nur höchst selten zu Gesicht bekommt. Ich werde demnächst auf eine Studie verweisen, die zeigte, dass für manche Doktoranden es aber genau das ist, was sie wollen (und andere eben nicht –> da herrscht dann tatsächlich Unzufriedenheit) …
September 6th, 2007 at 12:35 pm
Ein passender Comic zum Thema Häufigkeit-des-Treffens-des-Betreuers: Somewhere between “never” and “all the time” would be ideal.