Betreuung von Doktoranden
Wir sind gerade dabei der Frage nachzugehen, welche Erwartungen eigentlich Doktoranden und Doktorväter/-mütter an die Betreuung haben. Dazu lese ich gerade eine Studie (Engler, 2003: Aufsteigen oder Aussteigen), die auf dem Hintergrund aufbaut, dass viele Promotionsstelleninhaber am Ende doch ohne Promotion dastehen - man fragt sich, woran das liegen kann. Deutlich wird auch, dass es oft Frauen sind, die diese Qualifikationsstufe erreichen.
Was ich ganz gut finde an der Untersuchung ist, dass es nicht auf die ungerechte Behandlung von Doktorandinnen zurückgeführt wird, sondern dass ein Schritt weiter gegangen wird.
Interviews ergaben, dass die Erwartungen von Doktorand(inn)en (n=8) bzgl. der Betreuung auf einem Kontinuum abgebildet werden können:
“Warten, bis da was kommt” (Extrempol 1, nur Frauen)
“Fortschritt durch Kontrolle” (Mittelpol, beide Geschlechter vertreten)
“Auf der Jagd/Selbständigkeit” (Extrempol 2, nur Männer)
Das allein soll die Misere aber nicht erklären, sondern man muss das in Bezug setzen mit den Vorstellungen der Betreuer.
Als Kontrolleur sehen sie sich schon einmal gar nicht, sie erwarten eine selbstbestimmte und selbständige Haltung: eben nicht warten, bis was kommt. Was sie gerne geben: Beratung auf Anfrage.
Problem für die Wartepolleute ist: beide warten, bis was kommt … es erinnert die Autorin an die zwei Königskinder … tiefes Wasser und so!
Kein Problem ergibt sich dagegen beim Jagdpol: gleiche Haltung und Erwartung was Betreuung und Selbständigkeit angeht …, hier herrscht Kompatibilität
“Während die wartenden promovierenden Frauen durch tiefes Wasser von ihren Doktorvätern getrennt sind, sitzt dieser Mann mit den Professoren im selben Boot.”
Besser hätte man es nicht ausdrücken können …