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In den Fängen der Angst

In der aktuellen Zeit (Dossier) ist ein Artikel über den Zusammenhang von Leistungsdruck und Angst(störungen). Einige interessante Dinge möchte ich zitieren. Leider habe ich den Link auf den Artikel bei der Zeit nicht finden können:

  • “Vor einiger Zeit hat das Team um den Medizinsoziologen Johannes Siegrist von der Universität Düsseldorf zwei Studien veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen bedrohlichen Veränderungen im Erwerbsleben, körperlichen Beschwerden und Angst empirisch erhärten. In Kooperation mit belgischen Kollegen fanden die Düsseldorfer Forscher bei anfangs gesunden Beschäftigten, die von sich verschärfenden Arbeitsbelastungen und Arbeitsplatzunsicherheit betroffen waren, bereits nach einem Jahr dreimal so häufig ausgeprägte Angstzustände wie bei Arbeitnehmern, die davon verschont waren.” (Das finde ich sehr spannend, weil meine Diplomarbeit sich mit den Auswirkungen organisationaler Veränderungen beschäftigt hat und wir genau so eine These vertreten haben, wobei ich persönlich keine Angst gemessen habe …)
  • “Siegrists Erhebungen und diejenigen seiner Kollegen bestätigen die Vermutung, dass Angst im Verbund mit Depression zur viert häufigsten Todesursache in westlichen Industriestaaten gehört und laut Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2020 nach den kardiovaskulären Ursachen zur zweit häufigsten aufsteigen wird. Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Angst zu einer festen gesellschaftlichen Konstante geworden ist.”
  • “Siegrist kennt drei Gründe, warum Menschen in eine Gratifikationskrise kommen. Erstens: Es fehlt die Alternative zum Arbeitsplatz. Der Einzelne ist auf genau den einen, auf eben seinen Arbeitsplatz angewiesen, weswegen Arbeitgeber oft für ihn ungünstige Bedingungen durchsetzen können. Zweitens: Viele Menschen beziehen ihr Selbstwertgefühl ausschließlich über den Arbeitsplatz. Um sich soziale Anerkennung von Kollegen und Chefs z u erkämpfen, bürden sie sich zu viel auf und brechen irgendwann ein. Drittens: Fast alle Berufszweige sind heute hoch kompetitiv. Wenn sich 20 Akademiker, die bereits große Vorleistungen erbracht haben, auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben, erhöht der Arbeitgeber, im Wissen um knappe Aufstiegsmöglichkeiten, den Druck; er verlangt mehr und bezahlt schlechter, wobei fehlende Anerkennung Siegrists Studien zufolge den meisten stärker unter die Haut geht als zu wenig Geld.”
  • “Auch japanische Untersuchungen bestätigen kürzlich deutsche Befunde, wonach Arbeitnehmer, die Angst vor Entlassung haben, viermal so häufig depressive Störungen aufweisen als jene Arbeitnehmer, die diese Angst nicht haben. Herzfrequenz und systolischer Blutdruck waren während des gesamten Arbeitstages, teilweise auch während der Nacht und am Wochenende signifikant erhöht. In starkem Maße wurde das Stresshormon Kortisol ausgeschieden, was auf permanente Gefahrenbewältigung hinweist – auf eine existentielle Erschütterung und Verunsicherung, die zur Angst wird, zur Angst vor der Angst, schließlich zur Angststörung, der Angst vor dem sofortigen Sterben.”
  • “Die Auswirkungen des Arbeitsalltags auf die psychische Gesundheit des Einzelnen sind enorm. In den letzten 20 Jahren haben Begriffe wie Flexibilität, Mobilität und lebenslanges Lernen Karriere gemacht; die berechenbare Biografie wurde zum Märchen aus einer versunkenen Welt und die Unberechenbarkeit zu einer mentalen Dauerbedrohung. Der Beruf hat für das seelische und körperliche Wohlergehen des Einzelnen heute eine immense Bedeutung, weil er drei elementare Existenzbedürfnisse befriedigt: das Selbstwertgefühl, die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und das Gefühl von Zugehörigkeit. Wenn diese grundlegenden Bedürfnisse nun durch Radikalisierung des Wettbewerbs, durch Konkurrenzkämpfe, Verlagerung der Produktion ins Ausland, Lohndruck, Kostendämpfung, Stellenabbau, zunehmende Rationalisierung und Mobbing bedroht sind, pathologisiert sich die permanente Verunsicherung zur Angst. Jeder siebte Angstpatient stirbt von eigener Hand.”
  • “Einer der größten Angststressoren ist das Schwinden der Solidarität“, sagt Jürgen Margraf, Ordinarius für Klinische Psychologie und Psychotherapie in Basel, wo immer er auftritt. Sogleich fügt er an: “Der wichtigste Schutzfaktor gegen Angst sind stabile soziale Beziehungen.”

One Response to “In den Fängen der Angst”

  1. Arne Says:

    Huiuiui, ist ja erschreckend.


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