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Heute haben wir Hitler im Kino gesehen …

Ich hatte in einem Blogeintrag versprochen, sollte ich den Artikel zur Evaluation der Wirkung des Films “Der Untergang” auf Schüler und Schülerinnen der neunten und zehnten Klasse wiederfinden, über Ergebnisse zu berichten. Das ist heute geschehen (wer kann schon ahnen, dass ich den Artikel bei meinen Artikeln zum Selbstgesteuerten Lernen eingeordnet haben ;-) ) und somit komme ich meinem Versprechen nach.

Ein besonders spannendes Ergebnis zeigt sich in Bezug auf die Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung als Opfer des Nationalsozialismus. Hier zeigte sich eine Wechselwirkung mit der bisherigen Beschäftigung der Schüler/-innen mit dem Thema Nationalsozialismus. Während sich bei Nichtkinogängern Schüler, die sich stark und Schüler, die sich nur schwach mit dem Thema beschäftigt haben, hinsichtlich der Wahrnehmung der Opferrolle unterschieden (schwache Beschäftigung ging hier mit höherer Zustimmung zur Opferrolle einher), unterschieden sich diese beiden Gruppen nicht mehr, wenn sie denn im Kino waren und den Film gesehen haben.

Ein anderer interaktiver Effekt bezieht sich auf den Patriotismus der Schüler/innen: gering patriotische Schüler/innen schätzen die Notwendigkeit der Geschichtsaufarbeitung höher ein, wenn sie den Film gesehen haben. Dagegen messen hochpatriotische Schüler/innen dem eine geringere Dringlichkeit bei, wenn sie im Film waren.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht berichten, die Ergebnisse sind hochkomplex … Aber vielleicht hat es ja doch jemanden dazu animiert, sich diese Studie genauer anzusehen.


9 Responses to “Heute haben wir Hitler im Kino gesehen …”

  1. Arne Says:

    Während sich bei Nichtkinogängern Schüler, die sich stark und Schüler, die sich nur schwach mit dem Thema beschäftigt haben, hinsichtlich der Wahrnehmung der Opferrolle unterschieden (schwache Beschäftigung ging hier mit höherer Zustimmung zur Opferrolle einher), unterschieden sich diese beiden Gruppen nicht mehr, wenn sie denn im Kino waren und den Film gesehen haben.

    Kann man auch vergleichen, in welche Richtung sich die beiden Gruppen angepasst haben? Steigt durch den Kinobesuch die Opferrollenzustimmung der Schwach-damit-beschäftigten, oder sinkt die Zustimmung der Stark-damit-beschäftigten?

  2. Jana Says:

    So, ich musste mich mal wieder auf die Suche begeben, um den Artikel zu finden – hatte kurz etwas Herzrasen, da ich den Artikel nach dem Blogeintrag “aufgeräumt” habe … und schon wieder nicht mehr wusste, wohin.

    Was Du wissen willst ist, ob es einen Vorher-Nachher-Vergleich gibt – und das haben die Autoren nicht gemacht. Man hätte schon vor dem Film wissen müssen, welche Klassen gehen und welche nicht und vielleicht auch schon vorher wissen müssen, dass man da überhaupt eine kleine Forschungsarbeit draus machen will etc.
    Kurz: nein, gibt es nicht, da nur ein Messzeitpunkt, nämlich nach dem Film vorhanden.

  3. Jana Says:

    By the way, Arne: gestern abend mal wieder prokrastiniert??? :-D

  4. Arne Says:

    Joaa, aber auch nach dem der Film in den Knios war gab es doch Schüler, die ihn nicht gesehen haen (zu denen finden sich ja auch Aussagen in der Arbeit)…

  5. Arne Says:

    Ich habe gestern übrigens nicht prokrastiniert, sondern nur mal früher Feierabend gemacht. Euer Server zeigt die falsche Zeit an (“Winterzeit”, will sagen, Normalzeit?), mein Eintrag war von ca. 19:20. Da wird man doch mal Feierabend machen dürfen!? Pah.

  6. Arne Says:

    Ups, eigentlich hatte ich hier noch was zu sagen, aber das steht jetzt hier.

  7. Jana Says:

    Nein, er hat schon halb 8 angezeigt … wollte Dich auch nur ein bisschen aufziehen, um das Wort mal wieder zu gebrauchen. Hat ja geklappt :-D

    Mein Kollege im Büro muss sich grundsätzlich die Frage anhören, wenn er vor mir geht (also egal ob er halb 4 oder halb 8 ginge), ob er nur halbtags arbeiten würde … Der Witz ist natürlich, dass wir alle nur halbe Stellen haben.

  8. Torsten Says:

    Ehrlich gesagt, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die meisten Leute in den Film gerannt sind, um noch mal einen letzten Blick auf ihren Führer zu werfen. Übrigens würde ich die Reaktion von Schülern auf Besuche von aufs pädagogische abzielenden Filmen/Ausstellungen/usw. nicht zu hoch bewerten. Wirkliches Interesse haben da aus eigener Schulzeiterfahrung nur die wenigsten (immernochalbträume von”TodinVenedig”hab). Der Rest sind sozusagen Mitläufer.

  9. Jana Says:

    @ Thorsten: ich stimme Dir zu: die meisten Menschen werden in diesen Film genau aus dem von Dir beschriebenen Punkt gegangen sein. Ich fand es nur interessant, dass sich jemand auch mal Gedanken darum gemacht hat, ob und wie sich so ein Film auf Einstellungen etc. auswirkt. Und man darf nicht vergessen, dass es hier auch nur um eine Stichprobe von Schülern ging, also nicht die Masse der Kinogänger repräsentiert.
    Immerhin sind das aber auch Klassen gewesen, die mit den Lehrern in den Film gegangen sind, sozusagen als Ergänzung zum Geschi-Unterricht, ob die Schüler nun wollten oder nicht ;-) . Natürlich hat das nicht bewirkt, dass sich alle auf einmal wahnsinnig dafür interessieren, aber dennoch waren deutliche Effekte zu erkennen, und zwar auf einer “psychologischen Ebene”, über die sich die Schüler wahrscheinlich keine Gedanken machen … Ist ja auch was …


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