Geschichte der Psychiatrie
Die hitzige Debatte über die Psychoanalyse hat mich auf die Idee gebracht, etwas über die Geschichte der Psychiatrie zu schreiben. Ich freue mich, da ich – bin ja eher so der Wirtschaftspsychologe – mich immer gefragt habe, warum ich das lernen soll. Jetzt freue ich mich, darüber berichten zu können, ist an sich nämlich sehr spannend, Natürlich gibt es einen weit ausführlicheren Artikel in der Wikipedia, ich picke mir nur ein paar Sachen raus, die ich besonders spannend fand.
Die Psychiatrie wurde erst im 18. Jahrhundert als medizinische Disziplin erklärt – dass der Umgang mit psychisch gestörten Menschen in die Hand von Ärzten gehört. Davor war es Aufgabe der Kirche, sich um Besessene (Personen mit moralisch verwerflichem Verhalten, Sünde!) und Geisteskranke (Ausdruck von Schuld!) zu kümmern. Die Behandlung hatte den Charakter von Sühne und Bestrafung.
Erste Behandlungsmethoden waren kalte Wassergüsse, Dampfbad, Drehmaschine, Sturzbad, Zwangsstehen, Einkerkern oder der Zwangsstuhl etc.
Später gab es erste revolutionäre Schritte bzgl. der Klassifizierung von psychischen Erkrankungen, wichtige Namen sind dabei Bleuler und Kraeplin. Und irgendwann (aber da kennt sich Nicole besser aus) kam dann Freud, und seine Ideen über die Psyche erscheinen in diesem Zusammenhang wirklich revolutionär.
Anfangs war ich sehr geschockt über die Behandlungsmethoden, aber ich glaube, dass man wirklich glaubte, dass z.B. der Zwangsstuhl den Menschen helfen würde – also ein positives Ziel vor Augen hatte.
Was wirklich grausam ist, ist die Psychiatrie in der Zeit des Nationalsozialismus’. So gab es 1933 das “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“, aufgrund dessen es zu vielen Zwangssterilisationen kam. Ebenso bekannt ist die T4-Aktion, “Die Freigabe der Vernichtung unwerten Lebens”, bei denen über 120.000 psychisch kranke Menschen/behinderte Menschen in Gaskammern ums Leben kamen. Es gab dann noch Sonderaktionen, bei denen Patiententötungen/Judentötungen vorgenommen wurden.
Diese Aktionen wurden mit dem Sozialdarwinismus gerechtfertigt. Richtig spannend finde ich, dass ich mal in einem Seminar über Schizophrenie gelernt habe, dass Menschen mit Schizophrenie selten Kinder bekommen oder in die Welt setzen (und somit keine Vererbung der Krankheit stattfindet) – und diese Störung trotzdem ein konstantes Level in der Erkrankungsrate hat. Und der Tenor der Dozentin war, dass es diese Störungen eben geben muss (was wir momentan als Störung bezeichnen, weil es von der Norm abweicht), man also nicht versuchen sollte, sie auszurotten, weil sich das Blatt vielleicht irgendwann dreht und diese Personen von ihrer “Störung” profitieren und besser lebensfähig sind als “normale Personen”.